Der
Bergfried
(Burgfried)
Der Hauptturm der Burg war der höchste und festeste Bau derselben. Von ihm aus wurde die Annäherung von Freund und Feind zuerst bemerkt. Nichts selten wurde er an der gefährdernsten Stelle der Burg erbaut, so gleichzeitig als Schild für die übrigen Bauten dienend. Bei Einnahme der Festung durch de Feind war er letzte und sicherste Zuflucht für die Burginsassen. Es kommen runde, quadratische, rechteckige, mehreckige, halbrunde und sogar dreieckige Türme Vor.
Oft steht der Bergfried frei, unmittelbar hinter der Ringmauer, hin und wieder umgibt ihn eine zu seinem Schutz bestimmte Mantelmauer - in einigen Fällen steht er in der Mitte der Kernburg. Einige Bergfriede haben der Angriffsseite zugekehrte spornartige Vorbauten zur besseren Abwehr von Belagerungsmaschinen und Geschossen.
Der Bergfried ist der einzige mittelalterliche Wehrbau, dessen Inneneinteilung sich einigermaßen schematisieren lässt.
Im untersten Geschoss, war das Burgverlies untergebracht. Das Verlies enthielt nur selten einen Lichtschlitz.
Über dem Burgverlies lag das Eingangsgeschoss des Turmes. Man erreichte den Eingang auf einer im Falle der Gefahr einziehbaren Leiter.
Über dem Eingangsgeschoss befanden sich gewöhnlich noch 2 bis 4 Stockwerke, häufig eines davon mit einem Kamin und einem Aborterker ausgestattet. Der Aufstieg erfolgte durch an der gleichen Wand übereinander angebrachte Blockstufentreppen, Leitern und seltener durch in die Mauerstärke eingelassene Steintreppen.
Zahlreiche meist kleinere Burgen haben keinen Bergfried, andere deren zwei, in Ausnahmefällen sogar drei.
Der
Palas
Fälschlicherweise auch das "Ritterhaus" genannt, einer im Mittelalter unbekannten Bezeichnung, war das Herrenhaus der Burg. Er enthielt gewöhnlich in den unteren Stockwerken Vorratsräume, Keller und Küche, selbst hin und wieder Stallungen.
Zu dem meist im 1. Obergeschoss liegenden Saal, auch Halle oder Dürnitz genannt, führte bisweilen eine Freitreppe hinauf. Dieser Raum diente gleichzeitig als Garderobe, Empfangs- und Speiseraum für Gäste und Burgsassen. Auch das Gesinde, meist dessen männlicher Teil, aß hier an einem ihm bestimmten Tisch. Diese Übung bestand lange Zeit selbst in größeren Hofburgen, wo der Herrentisch dann gelegentlich überhöht, nicht selten von einem Baldachin überdeckt noch deutlicher abgesondert war.
Vorplätze, Gänge und bequeme Treppenhäuser kamen erst gegen Ende des 15. Und 16. Jahrhundert auf.
In die Höher gelegenen Stockwerke gelangte man über oft sehr enge und steile, nicht übereinander gelegene Treppen. Dort befanden sich meist kleine und niedrige Schlafstuben, nicht selten auch die Kapelle.
Der Palas, als neben dem Bergfried wichtigster Bau der Burg, stand meist neben diesem, stets in der inneren Burg und nach Möglichkeit der Angriffsseite abgekehrt.
Die Kapelle
Fehlte kaum in einer Burg, wenn sie in bescheidenen Bauten oft auch nur aus einer Altarnische oder einem Erker bestand. Neben freistehenden Kapellen außerhalb des Burgringes, in der Vorburg oder der Hauptburg kommen auch im Gebäude eingefügte oder an diese angebaute vor.
Größere Burgen hatten ihren eigenen Burgkaplan, der hin und wieder auch den Gottesdienst in den umliegenden, zur Burgherrschaft gehörenden Orten und Weilern versah. In anderen Fällen begaben sich die Burgsassen an Sonn- und Feiertagen in die ihren Patronat unterstellte nächstgelegene Kirche, die oft auch ihre Grablage barg.
Die Nebengebäude
Erstreckten sich, je nach Größe der Burg, entlang den Mauern der Vor- und der Hauptburg. Sie enthielten Wohnungen für Knechte und Mägde, in großen Burgen auch wohl für ritterliche Dienstmannen, den Pfarrherrn oder Burgvogt, Stallungen, die Küche, wenn diese nicht im Palas untergebracht war oder einen eigenen Bau mit mächtigem Kamin Bildete, die Schmiede, die Bäckerei und anderes.
In den trichterförmigen Küchenkaminen wurden häufig über der gemauerten Feuerstelle Fleischwaren geräuchert. Nicht selten fanden ganze Ochsen darin Platz.
Schieß-Scharten
Sind schlitzförmige Öffnungen,
die so angebracht sind, dass das gesamte
Angriffsfeld von ihnen aus
beherrscht wird. Um das Schießen mit der Armbrust und später
mit Handfeuerwaffen in einem möglichst großen Winkel nach den
Seiten und nach unten zu gestatten, erweiterten sich die Scharten
nach innen oder nach außen auf beiden Seiten, häufig auch nach
unten.
Pechnasen und Gusslöcher
Finden wir über Toren,
Eingängen zu Gebäuden und Türmen, vereinzelt auch an
exponierten Stellen der Mauer
und an Mauertürmen. Gewöhnlich aus Stein, aber auch aus
schweren Eichenholzbohlen hergestellt, ähneln sie kleine Erker,
die nach unten offen sind. Sie waren gerade groß genug, um das
Hinabschütten von kochendem Wasser, siedendem Öl oder Pech zu
erlauben. Über dem Burgtor angebracht konnten sie auch zum
gedeckten Verhandeln mit Einlassheischenden oder Parlamentären
benutzt werden.
Aborte
Werden oft von Unkundigen für Pechnasen gehalten. Diese sind jedoch von jenen leicht durch ihre größere Höhe, vor allem aber ihre Lage zu unterscheiden. Man errichtete an beliebiger Stelle der Außenmauer (auch der inneren Burg) vom dahinterliegenden Gebäude aus zugängliche, auf zwei Kragsteinen ruhende, kleine Aborterker aus Stein oder Holz, mit der Öffnung nach unten. Auch Bergfriede als letzte Zuflucht haben solche Aborterker, ebenso wie gelegentlich Mauer- und Tortürme.
Wasserversorgung
Um diese auch in Zeiten der Belagerung zu gewährleisten, wurden da wo es überhaupt möglich war, tiefe, oft in den Burgfelsen gehauene Brunnen angelegt, welche, wenn notwendig, bis auf die Talsohle reichten. Wir finden solche Brunnen mit Tiefen von 20 bis über 100 m.
Der noch vollständig erhaltene Brunnen der Burg Dilsberg am Neckar ist nicht nur durch seine ungewöhnliche Tiefe von über 110 m, sondern auch dadurch bemerkenswert, dass von seinem Schacht aus in verschiedene Höhen unterirdische Gänge durch den Berg führen.
Um das Heraufholen des Wassers aus großen Tiefen zu erleichtern, verwendete man Treträder oder von Pferden bediente Vorrichtungen.
Wenn möglich war der Brunnen in der Kernburg, nicht selten sogar im Palas selbst oder im Wohnturm untergebracht.
War die Anlage eines Brunnens in der Burg selbst nicht möglich, wurden entweder Brunnentürme errichtet, oder Zisternen angelegt, welche das Regenwasser auffingen und mehr oder weniger durch Sand oder Kies gereinigt wurde.
Wasserleitungen kamen erst im ausgehenden Mittelalter, im 16. Jahrhundert auf.
Brücken
Von Zugbrücken (auch
Fallbrücken genannt) sind hauptsächlich zwei Arten
gebräuchlich gewesen. Entweder
- und dies scheint die älteste Form - lieben die Ketten in
Mauerlücken der über dem Tor angebrachten Holzrollen (später
aus Eisen) und wurden im Torgang mit einem Haspel oder durch
sogenannte Schwungruten bedient. Bei diesen Schwungruten handelt
es sich um zwei Holzbalken, die etwa drei Meter über der
herabgelassenen Brücke parallel lagen, durch hohe Schlitze in
der Mauer über beide Seiten des Tores geführt wurden und hinter
dem Tor mit Gewichten, ähnlich denen der heutigen Bahnschranken,
versehen waren. An der Spitze waren Balken und Brücke mit einer
Kette verbunden.
Neben der Hauptbrücke befand sich auf größeren Burgen häufig eine zweite Brücke, die zu einem neben dem Haupttor liegenden Fußgängerpförtlein führte. In solchen Fällen wurde die Hauptbrücke nur bei besonderen Anlässen herabgelassen.
Größere Burgen hatten oft innerhalb der Burganlage weitere Brücken. Selbst Eingänge zu Gebäuden und Türmen konnten durch Zug- oder sog. Wippbrücken gesichert sein. Die Wippbrücken wurden auch als "Fallen" verwendet, um einen noch besseren Schutz vor dem Gegner zu haben.
Geheime Gänge
Gehören meist der Sage an. Die großen Schwierigkeiten bei ihrer Anlage mit dem im Mittelalter zur Verfügung stehenden Mitteln, erlaubten ihren Bau nur in Gegenden mit geeignetem Untergrund. Meist Burgen, welche in der Nähe von Gewässern lagen, wo der Untergrund also weich war, hatten Geheimgänge, welche an möglichst uneingesehener Stelle ins Freie führten
Lange Verbindungen zwischen Burgen, zwischen Burg und Dorf oder gar unter Flüssen hindurch sind sicherlich nicht die Regel, wenn nicht sogar nur sehr wenige Ausnahmen.
Sehr viel häufiger wie diese unterirdischen, außerhalb der Burg mündenden Gänge, waren vor allem in Felsenburgen ausgehöhlte Schächte, die in Kriegszeiten zu verschiedenen Zwecken benutzt wurden.
So führte von Gutenstein im Donautal ein jetzt verschütteter Schacht durch den Felsen zum Fluss, der wohl ebenso der Wasserversorgung, wie einem anderen Zweck dienen konnte.
Notverbindungen zwischen Vor- und Hauptburg durch Felsen waren die Regel, nicht die Ausnahme, da bei Belagerungen der sonst in die Kernburg führende Steg (oder Zugbrücke) wohl entfernt wurde.
Unterirdische Räume mit geheimen Zugängen gab es zu allen Zeiten und auf den meisten Burgen. Meistens stammen die heute noch erhaltenden jedoch aus neuerer Zeit und wurden während des 30jährigen Krieges oder der Reunionskriege oft zur Unterbringung von Habseligkeiten und wohl auch als Versteck für Personen, hauptsächlich für Frauen und Kinder, angelegt.
Gefängnisse
Befanden sich gewöhnlich im Bergfried. Bei größeren Burgen finden sich ausgesprochene Gefängnistürme, ebenso gab es umfangreiche unterirdische Gefängnisse.
Neben dem allgemeinen
üblichen lichtlosen Turmverlies fand man alle Arten von
diesem Zweck dienenden Gelassen.
So waren auch sogenannte Kriechgefängnisse häufiger, als meist angenommen wird. Kriechgefängnisse wahren meist kleine Zellen, die den armen Gefangenen weder das aufrechte Stehen noch ausgestrecktes Liegen erlaubten, eine der grausamsten Gefängnisarten, der Burgenzeit, denn die Größe war oft nur 1,20 lang und 80 cm hoch.
Ebenso gab es Zellen, die von außen mit heizbaren Öfen ausgestattet wurden, so dass die Zelleninsassen innen geschmort wurden, um sie zur erwünschten Aussage zu zwingen.
Wo es an geeigneten Räumen fehlte, schmiedete man Gefangene wohl auch einfach in Kellerräumen oder Turmgelassen mit Ketten an die Mauer.
Ritterliche Haft, die Adelige nach den damaligen Kriegsgesetzen beanspruchen durften, wurde da, wo sie überhaupt gewährt wurde, in hochgelegenen, gut verschließbaren Gemächern verbüßt.
Größere Burgen besaßen fast stets Folterkammern in unmittelbarer Nähe der Gefängnisse. Das Foltern der Gefangenen war allgemein üblich und wurde zur Erpressung von Geständnissen benutzt. In vielen Fällen gestanden die gemarterten Opfer Taten, die sie nie begangen hatten, da sie einen schnellen Tod der Fortsetzung der Folterqualen vorzogen.